Gesund werden heißt: sich wehren können

Denken wir uns eine mittelalterliche Stadt. Kommt ein Bürger, bleiben die Tore geöffnet. Zeigt sich ein Unbekannter, senkt der Wächter den Schlagbaum und prüft, wer vor den Tore steht. Drängen Feinde heran, geht die Zugbrücke hoch, und es hagelt Pfeile vom Burgwall: Jede gut funktionierende Abwehr beruht auf der Fähigkeit, eigene von fremden Erscheinungen zu unterscheiden und Gegner zu bekämpfen. Das ist – freilich deutlich komplexer – auch bei der körpereigenen Immunabwehr so.

Um die überlebenswichtigen Verteidigungsfähigkeiten zu entwickeln, betreibt unser Körper ein Zentrum, wo Kampfkräfte und „Wächter“, Killer- und Helferzellen, zu Spezialisten für ihre Aufgaben herangebildet werden: den Thymus. Die Arbeit des Zentrums passt sich dabei ständig dem Bedarf an, den Gegnermerkmalen, die sich ständig wandeln, um die Verteidigung zu täuschen. Man kann sich vorstellen, wie gefährlich es wird, wenn die Leistung dieses Zentrums gestört ist oder sogar ausfällt! Dann sind unzureichend qualifizierte Verteidigungskräfte unterwegs, die Freund und Feind nicht zuverlässig erkennen und auseinander halten können. Angriffe richten sich irrtümlich gegen eigene Strukturen – Autoimmunerkrankungen entstehen. Oder aber Widersacher bleiben unerkannt und ungeschoren – Immunschwäche­erkrankungen sind die Folge.

Um solche Prozesse aufzuhalten und Heilungsmöglichkeiten für daraus resultierende Erkrankungen zu eröffnen, widmet sich Professor Boehm seit Jahren intensiv der Thymusforschung und hat hier bereits wegweisende Fortschritte erzielt. So konnten dank vergleichender Untersuchungen mit vielen verschiedenen Tierarten wesentliche Eigenschaften der Immunsysteme aller Wirbeltiere identifiziert werden, die Struktur und Design eines anpassungs­fähigen Immunsystems besser verstehbar machen. Weitere Forschungen klärten die bislang unverstandenen Steuerungsmechanismen auf, die Reifung und Differenzierung der Immunzellen bewirken. Es folgten erfolgreiche Experimente mit der Herstellung künstlicher Thymusdrüsen. Langfristig erhoffen sich Professor Boehm und seine Mitarbeiter, Patienten dazu verhelfen zu können, dass sich ihr Immunsystem wieder „so richtig wehren kann“. Erste bahnbrechende Schritte dazu sind getan.

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Preisverleihung 2017

Die Laureaten nahmen ihre Auszeichnungen am 19. Mai 2017 bei der Preisverleihung der Jung-Stiftung in Hamburg entgegen. Moderiert wurde die Veranstaltung von TV-Moderatorin und Medizinjournalistin Vera Cordes.