Von der ersten Modellbeschreibung zur medizinischen Anwendung

Physiologische Prozesse auf der molekularen Ebene zu verstehen und zu beschreiben sind erste notwendige Schritte auf dem langen Weg zur Heilung von Krankheiten. Sowohl Professor Dr. med. Tobias Moser als auch Professor Nenad Ban, PhD, leisteten hier in ihren jeweiligen Fachgebieten Pionierarbeit und ebneten so den Weg für neue Therapieformen.

Hören (und) verstehen

Wie werden Geräusche von unserem Gehör aufgenommen? Wie erhalten wir innerhalb weniger Sekundenbruchteile eine akustische Information? Schallwellen treffen auf das Ohr und werden von den Sinneszellen der Cochlea, den sogenannten Haarzellen, in elektrische Signale umgewandelt, die unser Gehirn wahrnehmen und verarbeiten kann. Diese blitzschnell ablaufenden, hochkomplizierten Prozesse der synaptischen Schallkodierung auf molekularer Ebene zu verstehen, ihre Pathologie zu untersuchen und Gentherapien zu entwickeln sind die Forschungsziele von Professor Dr. med. Tobias Moser und seiner Mitarbeiter. Als Vorreiter erarbeiteten sie in der Vergangenheit bereits wichtige Grundlagen auf dem Gebiet, das mittlerweile von weltweit mehr als 20 Arbeitsgruppen sehr aktiv erforscht wird. Darüber hinaus untersuchen die Wissenschaftler um Professor Moser die spezialisierten auditorischen Synapsen des Hirnstamms, die Informationen sehr zuverlässig und mit hoher Geschwindigkeit übertragen. Seit 2008 leisten sie zudem Pionierarbeit bei der Etablierung des optogenetischen Cochlea-Implantats.

Der Proteinbiosynthese auf den Grund gehen

Ribosomen spielen eine zentrale Rolle in allen lebenden Organismen. Als zelluläre Komponenten sind sie für die Proteinbiosynthese verantwortlich und setzen so die genetische Information um. Während die Ribosomen in prokaryotischen Zellen wie Bakterien bereits seit 2000 strukturell und funktionell sehr gut erforscht sind, gibt es noch große Lücken im Verständnis der wesentlich komplexeren cytoplasmatischen und mitochondrialen Ribosomen in den eukaryotischen Zellen von Pflanzen, Pilzen und Tieren einschließlich des Menschen. Die Arbeitsgruppe um Professor Nenad Ban, PhD, erbrachte eine richtungweisende Forschungsleistung, indem ihr eine erste vollständige Strukturbeschreibung beider eukaryotischer ribosomaler Untereinheiten und ihrer Komplexe mit Initiationsfaktoren und viralen RNAs gelang. Darüber hinaus erlangten die Forscher Einblicke in die einzigartige Struktur der Ribosomen in den Mitochondrien von Säugetieren. Mitochondrien sind Zellorganellen, die ihr eigenes Genom besitzen und die an unterschiedlichen Erkrankungen des Menschen beteiligt sind. „Durch ihre fundamentale Bedeutung bei vielen elementaren zellulären Prozessen kann eine mögliche Fehlfunktion der Ribosomen verheerende Auswirkungen haben, bis hin zu Krankheiten wie Krebs oder Stoffwechselstörungen“, erläutert Ban die medizinische Relevanz ihrer Erkenntnisse.

NEWS-TICKER

Preisverleihung 2017

Die Laureaten nahmen ihre Auszeichnungen am 19. Mai 2017 bei der Preisverleihung der Jung-Stiftung in Hamburg entgegen. Moderiert wurde die Veranstaltung von TV-Moderatorin und Medizinjournalistin Vera Cordes.