Stiftungsphilosophie

10 Thesen zur Heilkunst, zur Forschungsförderung und zur Förderphilosophie


Ernst und Claere Jung waren sich darin einig, dass die Förderung des medizinischen Fortschritts auf höchstem Niveau eine besonders sinnvolle und wirksame Möglichkeit darstellt, dem Gemeinwohl zu dienen, Mitmenschlichkeit zu praktizieren und Leiden zu lindern. Die Stiftungsarbeit definiert sich in ihrem Sinne.

Besonderes Können verdient besondere Anerkennung. Die Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung hat das Anliegen, herausragende Leistungen mit einer Form der Wertschätzung zu bedenken, die nicht nur Lob, sondern auch Lohn bedeutet. Was der Medizin Erkenntnisgewinn bringt, soll für die hochkompetenten Forscherinnen und Forscher, denen dies zu verdanken ist, ebenfalls Gewinn bringen.

Das freie Denken belohnen – und fördern. Die im Vergleich recht hohe Dotierung will den Forschern und ihren Projekten Freiraum sichern. Sie macht ihre Arbeit für eine Weile von wirtschaftlichen Restriktionen und fachlichen Einflüssen unabhängig. Die Verleihung der Ernst Jung-Medaille für Medizin in Gold ermöglicht die freie Vergabe eines Stipendiums. Damit soll zum Ausdruck gebracht werden, wie wertvoll und wichtig die Gewährung von Forschungsfreiheit an den Nachwuchs ist.

Erkenntnisse erkennbar machen. Je komplexer und detaillierter die Medizin und die ihr verwandten Fachgebiete werden, desto wichtiger wird es, Akzente zu setzen und so für Wahrnehmung neuer Entdeckungen und Einsichten zu sorgen. Medizinische Auszeichnungen sind hierzu eine gute Möglichkeit. Regelmäßig zeigt sich in der Rückschau, dass Preise der Jung-Stiftung Wegweisendes markiert haben.

Not wenden ist notwendig. In der Medizin gibt es letztlich kein wirksameres Remedium als die Kompetenz. Zwar wird auch die Grundlagenforschung ausdrücklich gewürdigt, aber Schwerpunkte setzt die Stiftung bei der Honorierung von Ansätzen, die zu klinisch wirksamen neuen Therapiemöglichkeiten führen. Das Patientenwohl ist Richtschnur und Maßstab.

Antworten finden, ehe die Fragen drängend werden. Die  Auswahl der Projek­te und Laureaten berücksichtigt oft medizinische Aufgabenstellungen von großer Tragweite. Es gilt, frühzeitig die Suche nach der Lösung von Problemen zu fördern, die sich – zum Beispiel aufgrund der demografischen Entwicklung – weltweit zu wesentlichen individualgesundheitlichen oder gesundheitspolitischen Anliegen entwickeln werden.

Nicht nur diszipliniert, sondern auch interdisziplinär arbeiten. Interdisziplinarität und Kreativität bringen das Verstehen, Helfen und Heilen oft in besonderem Maße voran. Die Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung trägt dem Rechnung, indem sie immer wieder Auszeichnungen an Wissenschaftler vergibt, die nicht oder nicht ausschließlich Medizin studiert haben und deren Qualifikation oder Funktion Fachgrenzen – zum Beispiel zu Physik, Chemie, Biologie, Technik – überschreitet.

Zukunft zu Hause gestalten. Vorteilhaftere Rahmenbedingungen in anderen Ländern sorgen oft dafür, dass Top-Talente aus Deutschland sich für eine Tätigkeit im Ausland entscheiden. Der Karriere-Förderpreis bietet deutschen Spitzen-Nachwuchsforschern eine wirtschaftlich gut abgesicherte Chance zu Rückkehr und Weiterqualifikation. Nicht nur ein Beitrag gegen den „Braindrain“, sondern auch eine harmonische Balance zur großen Internationalität der Stiftung: Die Stiftungslaureaten stammen aus insgesamt 14 Nationen, und Stiftungspreise sind bisher an Empfänger in sieben ausländischen Staaten vergeben worden.
Kompetenzförderung ist Verantwortung fürs Kollektiv. Eine gesunde Bevölkerung ist der gesellschaftliche Idealzustand. Einerseits naturgemäß eine Utopie, andererseits ist es eine faszinierende Herausforderung, dem Ziel so nah wie möglich kommen zu wollen. Preise ermutigen dieses Streben und sind so als Beitrag zur Verbesserung der gesunden Lebensqualität eine Form praktizierter gesellschaftlicher Verantwortung.
Forschungsförderung ohne fachliche Fixierung. Die Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung legt sich bewusst nicht auf eine fachliche Fächerauswahl vor. Die Preise sollen nicht nach medizinischen Fachrichtungen vergeben oder auf eine Auswahl daraus beschränkt werden. Vielmehr sollen sie nach ihrem bereits erreichten oder absehbaren Nutzen gewürdigt werden: Kernkriterium ist die klinische Relevanz.
Menschlich ist, was dem Menschen dient. Die Jung-Stiftung spricht sich gegen den gängigen Irrtum aus, medizintechnische, Labor- und andere nur scheinbar sehr patientenferne Forschungstätigkeiten als Gegensatz zu „menschlicher Medizin“ zu missdeuten. Alles ist am Maßstab einer Haltung des Helfenwollens und Helfens zu messen. Wo diese Haltung gegeben ist, ist die Medizin human.  Also auch ein einsames, aber klinisch relevantes Experiment fernab im „stillen Kämmerlein“ kann eine Geste von ärztlicher Zugewandtheit und Nächstenliebe sein.


NEWS-TICKER

Brain Drain

Die Jung-Stiftung engagiert sich mit der Vergabe des Ernst Jung-Karriere-Förderpreises aktiv gegen den "Brain Drain", den Fortzug Hochqualifizierter ins Ausland.

2017 ging der mit 210.000 Euro dotierte Preis an Dr. med. Lena Seifert vom Universitätsklinikum Carl Gustav Carus an der Technischen Universität Dresden.

Mehr Informationen zum Ernst Jung-Karriere-Förderpreis finden Sie hier.