Medaillenträger Professor Dr. Alain Fischer

Ein gesundes Immunsystem kann krankheitserregende Mikroben von unschädlichen unterscheiden, bei genetisch bedingten Störungen droht Lebensgefahr – und hier setzt die von mir und meinem Team entwickelte Therapie an“. Mehr als 40 Jahre seines Lebens widmete Prof. Dr. med. Alain Fischer von der Universität Paris Descartes und dem Collège de France dem Feld der klinischen Immunologie und erzielte mit seinen wissenschaftlichen Arbeiten bedeutende Fortschritte auf diesem Gebiet: Er entschlüsselte die Entstehungsweise unterschiedlicher angeborener Immundefekte und entwickelte eine entsprechende Gentherapie. Bereits 1998 hatte die Hamburger Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung ihn für seine herausragende Forschung mit dem Ernst-Jung-Preis für Medizin honoriert und freut sich umso mehr, Alain Fischer nun für sein Lebenswerk mit der Ernst Jung-Medaille für Medizin in Gold 2022 auszeichnen zu dürfen. Diese wird jedes Jahr von der Jung-Stiftung an Spitzenforscher_innen vergeben, die die medizinische Forschung und Praxis erheblich vorangebracht haben oder dies auch noch aktiv leisten und ist eine Anerkennung des bisherigen Lebenswerks.

Angeborene Immundefekte, auch primäre Immundefekte genannt, sind selten und sehr vielfältig – und können für die betroffenen Menschen tödliche Folgen haben. Während manche genetisch bedingten Immundefekte sich bereits im Kindesalter zeigen, werden andere erst im Erwachsenenalter durch bestimmte Auslöser getriggert. Alain Fischer und seine Arbeitsgruppe brachten die Forschung auf diesem Gebiet deutlich voran und leisteten damit bedeutsame Arbeit, die auch Ansätze für Therapieformen lieferte. So gelang es dem Forscherteam beispielsweise, die molekularen Ursachen von fünf Arten sogenannter schwerer kombinierter Immundefekte (SCID = Severe Combined Immunodeficiency) aufzudecken. Bei SCID ist das Abwehrsystem so schwach, dass es kaum noch Schutz vor Infektionen bietet. Dies kann für den Patienten lebensbedrohlich sein.

In weiteren Forschungsarbeiten trug Fischer dazu bei, zu beweisen, dass das Enzym „aktivierungsinduzierte Cytidin-Desaminase“ (AID) eine wichtige Rolle in der Reifung von Antikörpern spielt. Damit identifizierte er eine wichtige Komponente in der adaptiven, also erworbenen oder sekundären Immunantwort des menschlichen Körpers. Auch in der Erforschung der hämophagozytischen Lymphohistiozytose (HLH), auch „Hyperinflammationssyndrom“ genannt, markiert die Arbeit von Prof. Fischer einen Meilenstein, indem seine Arbeitsgruppe dazu beitrug, die meisten genetischen Defekte zu identifizieren, die HLH verursachen. HLH ist eine schwere Entzündungsreaktion und lebensbedrohliche Funktionsstörung des Immunsystems. Die Erkenntnisse aus seinen Arbeiten ermöglichten es Fischer, unterschiedliche klinische Behandlungen vorzuschlagen, beispielsweise im Bereich der Stammzelltransplantation und in der Gentherapie. Darüber hinaus hat er Ansatzpunkte für weitere Therapien auf den Weg gebracht, die derzeit erforscht werden.