Preisträger_innen Professor Ralf Bartenschlager und Professor Ingrid Fleming

Professor Ralf Bartenschlager

Prof. Dr. rer. nat. Dr. med. h. c. Ralf Bartenschlager, Leiter der Abteilung Molekulare Virologie am Uniklinikum Heidelberg und der Abteilung Virus-Assoziierte Karzinogenese am Deutschen Krebsforschungszentrum, erforscht die Biologie sogenannter RNA-Viren. Mit seinen Arbeiten schaffte er beispielsweise die Grundlage für die Heilung von Schädigungen nach chronischer Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus, wie Leberzirrhose und Leberkrebs. Zu den RNA-Viren zählen unter anderem das Hepatitis-C-Virus (HCV), das Dengue- und das Zika-Virus sowie das SARS-Coronavirus-2. Jedes dieser Viren bedrohte bereits in der Vergangenheit und auch heute noch die Gesundheit der Weltbevölkerung – jeweils auf seine eigene Art und Weise.

Prof. Dr. Ralf Bartenschlager gelang es nicht nur, die Biologie dieser Viren zu erforschen, sondern auch, seine Ergebnisse für die Praxis urbar zu machen. So führen die heute verfügbaren Medikamente zur Therapie der chronischen Hepatitis C, die alle mit den Zellsystemen von Ralf Bartenschlager entwickelt wurden, in rund 95 Prozent der Infektionen zur Heilung. Bei rechtzeitiger Therapie lassen sich damit auch Leberzirrhose und Leberkrebs verhindern. Anlässlich der SARS-CoV-2-Pandemie rief Ralf Bartenschlager außerdem eine Reihe von Forschungs- und Entwicklungsprojekten ins Leben, wie die Initiative fightCOVID@Heidelberg. Als nächsten Schritt plant er, in einer breit angelegten, vergleichenden Studie diejenigen viralen und zellulären Faktoren zu identifizieren, die für die Entstehung der viralen Vermehrungsstrukturen in infizierten Zellen notwendig sind. Dabei konzentriert er sich auf die sogenannten Plusstrang-RNA-Viren, zu denen HCV, Dengue- und Zika-Virus sowie das SARS-CoV-2 gehören. Die so gewonnenen Erkenntnisse sollen dann zur Entwicklung neuer antiviraler Therapiekonzepte genutzt werden. Hierbei sind vor allem solche viralen und zellulären Faktoren interessant, die sich für die Entwicklung antiviraler Wirkstoffe mit einer Breitbandwirkung eignen, um damit bei zukünftigen Pandemien besser vorbereitet zu sein.

Professor Ingrid Fleming

Diabetes und daraus resultierende Gefäßerkrankungen können zu Verschlüssen der Beingefäße oder gar zu Herzinfarkten und Erblindung führen. Wie diese Erkrankungen zusammenhängen, erforscht Prof. Dr. Ingrid Fleming vom Zentrum für Molekulare Medizin an der Goethe-Universität, Frankfurt. Für ihre erfolgreiche Arbeit sowie die Übertragung ihrer Ergebnisse in mögliche medizinische Anwendungen erhält sie nun den Ernst Jung-Preis für Medizin 2022. Die mit insgesamt 300.000 Euro dotierte Auszeichnung der Hamburger Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung geht jedes Jahr an Spitzenforscher_innen, deren Projekte zum medizinischen Fortschritt beitragen und deren Schaffen auch künftig bahnbrechende Erkenntnisse verspricht.

Die Zuckerkrankheit Diabetes mellitus geht sehr häufig mit Erkrankungen der Blutgefäße einher. Betroffen sind dabei sowohl große Schlagadern wie beispielsweise die Beinarterien, als auch kleinste Äderchen in Herz, Gehirn oder Auge. Dies kann Fußamputationen aufgrund von Beingefäßverschlüssen notwendig machen und zu weiteren schwerwiegenden Folgen wie Herzinfarkten oder Erblindung führen. Doch wie werden diese Folgeerkrankungen ausgelöst und durch welche Prozesse schreiten sie voran? Prof. Dr. Ingrid Fleming erforscht die Mechanismen, die auf molekularer Ebene für die Krankheitsentstehung verantwortlich sind, und liefert Ansätze für eine Übertragung der Erkenntnisse in die medizinische Praxis. Beispielsweise gelang es ihr, einen Botenstoff - einen bestimmten Lipidmediator - zu identifizieren, der für die sogenannte diabetische Retinopathie verantwortlich ist, eine Augenveränderung, die infolge des Diabetes mellitus entsteht. Gleichzeitig untersuchte sie, wie sich diese mit neuartigen Methoden medikamentös behandeln ließe.