Fragen und Antworten

Warum hat sich die Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung (hiernach: Jung-Stiftung) erst 2021 entschieden, eine Studie zu beauftragen?

Die Jung-Stiftung kannte Ernst Jung immer so, wie sie ihn jahrzehntelang portraitiert hat: als erfolgreichen Unternehmer und großzügigen Philanthropen. Sein Wirken zur Zeit des Nationalsozialismus hatte die Jung-Stiftung lange nicht hinterfragt. Da die Jung-Stiftung weder Rechtsnachfolgerin ihres Stifters ist noch dessen Unternehmen fortgeführt hat, lagen hierzu auch keine persönlichen Unterlagen oder ein Unternehmensarchiv vor.

Um diese biografische Lücke zu füllen und der Vorgeschichte des Vermögens der Jung-Stiftung auf den Grund zu gehen, entschied die Jung-Stiftung, ein entsprechendes Forschungsprojekt in Auftrag zu geben. Sie begann, das Projekt vorzubereiten und einen geeigneten Historiker für diese unabhängige wissenschaftliche Forschungsarbeit zu finden. Mit Beginn der COVID-19-Pandemie rückten zwischenzeitig andere Herausforderungen in den Vordergrund. Im Februar 2021 hat die Jung-Stiftung den Historiker Dr. Peter Zolling mit der Aufarbeitung der Geschichte beauftragt.

Rückblickend hätte die Jung-Stiftung aufgrund der mangelnden Quellenlage schon früher Nachforschungen anstoßen können. Um das öffentliche Bild von Ernst Jung richtigzustellen, hat sie sich kritisch mit der ambivalenten Rolle ihres Gründers Ernst Jung als Opportunisten des Nationalsozialismus einerseits und als späteren Philanthropen andererseits auseinandergesetzt und wird seine Rolle zukünftig differenziert darstellen.

Warum hat das Erarbeiten der Studie so lange gedauert?

Im Februar 2021 hat die Jung-Stiftung den Historiker Dr. Peter Zolling mit dem Forschungsprojekt beauftragt. Da die Jung-Stiftung weder Rechtsnachfolgerin ihres Stifters ist noch dessen Unternehmen fortgeführt hat, liegen ihr keine persönlichen Unterlagen oder ein Unternehmensarchiv vor. So konnte der Historiker sich lediglich auf die wenigen Dokumente der Jung-Stiftung zu Ernst Jung sowie offene Archive stützen, die aufgrund der COVID-19-Pandemie zeitweise geschlossen waren. In besonders aufwendiger und zeitintensiver Recherche hat Dr. Peter Zolling schließlich umfangreiche Aktenbestände erschlossen und ergänzende Sekundärliteratur ausgewertet. Die Ergebnisse der Studie lagen im Mai 2022 vor und wurden im Juli 2022 durch ein Peer Review überprüft. Nach Abschluss dieses Verfahrens hat die Jung-Stiftung ein Maßnahmenpaket initiiert und die Ergebnisse der Studie im Februar 2023 veröffentlicht.

Was genau hat die Jung-Stiftung mit der Studie beauftragt?

Die Jung-Stiftung hat Dr. Peter Zolling beauftragt, das Unternehmer- und Stifterpaar Claere und Ernst Jung und ihr mäzenatisches Wirken sowie die Firmengeschichte der Jung-Betriebe einschließlich der Rolle von Zwangsarbeit in diesen Unternehmen während des Zweiten Weltkriegs nach den Maßstäben unabhängiger wissenschaftlicher Forschung zu studieren und zu dokumentieren.

Was ist das Ergebnis der Studie?

Die Studie schließt die biografische Lücke von Ernst Jungs Wirken zur Zeit des Nationalsozialismus und zur Nachkriegszeit, in der er alle seine Stiftungen gründete. Zusammenfassend zeichnet sie ein ambivalentes Bild seines Lebens als Opportunisten des Nationalsozialismus einerseits und als späteren Philanthropen andererseits.

Von 1939 bis 1945 wurden nach Schätzungen der Studie insgesamt 200 bis 250 Zwangsarbeiter:innen in den Jung-Firmen eingesetzt. Während dieser Zeit konnte Ernst Jung sein beträchtliches im „Dritten Reich“ von 1936 bis 1939 aufgebautes Vermögen unter Einsatz von Zwangsarbeit vermehren.

Jungs späteres Leben wurde von einer anderen Seite geprägt – der Wohltätigkeit. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Claere Jung gründete er vier Stiftungen, um ihr Vermögen in den Dienst der Gesellschaft zu stellen. Allein die Jung-Stiftung hat bis heute über 15 Mio. Euro an Preisgeldern für Spitzen- und Nachwuchsforscher:innen ausgelobt, deren Forschungsarbeiten zur Entwicklung neuer Therapiemöglichkeiten beitragen.

Stammt das Grundkapital der Jung-Stiftung aus Zwangsarbeit?

Von 1939 bis 1945 wurden nach Schätzungen der Studie insgesamt 200 bis 250 Zwangsarbeiter:innen in den Jung-Firmen eingesetzt, 38 davon in der Betriebsanlage in Stadersand. Das ursprüngliche Grundkapital der Jung-Stiftung stammt aus Pacht- und Verkaufserlösen dieser Anlage. Dies belegt eine Verbindung des Stiftungsvermögens zur Zwangsarbeit.

Was bedeuten die Ergebnisse der Studie für die Jung-Stiftung?

Die wichtigsten Erkenntnisse der Studie für die Jung-Stiftung liegen im Ursprung des Stiftungsvermögens. Von 1939 bis 1945 wurden nach Schätzungen der Studie insgesamt 200 bis 250 Zwangsarbeiter:innen in den Jung-Firmen eingesetzt, 38 davon in der Betriebsanlage in Stadersand. Das ursprüngliche Grundkapital der Jung-Stiftung stammt aus Pacht- und Verkaufserlösen dieser Anlage. Dies belegt eine Verbindung des Stiftungsvermögens zur Zwangsarbeit.

Die Jung-Stiftung hat sich kritisch mit der ambivalenten Rolle ihres Gründers Ernst Jung als Opportunisten des Nationalsozialismus einerseits und als späteren Philanthropen andererseits auseinandergesetzt und stellt seine Rolle heute in jeglicher Kommunikation entsprechend differenziert dar. Die Jung-Stiftung hat außerdem ein umfassendes Maßnahmenpaket umgesetzt, um sich der Geschichte Ernst Jungs zu stellen, nachhaltig Verantwortung zu übernehmen, zur weiteren Aufarbeitung der NS-Zeit beizutragen, aktiv Aufklärungsarbeit zu leisten und Menschen in Notlagen zu helfen.

Mit einer Fördersumme von insgesamt 777.000 Euro unterstützt die Jung-Stiftung die KZ-Gedenkstätte Neuengamme und Ärzte ohne Grenzen:

  • 477.000 Euro werden eingesetzt, um Forschungsprojekte und Zuarbeiten zur geplanten neuen Dauerausstellung der KZ-Gedenkstätte Neuengamme „Die Sanitätsabteilung des KZ Neuengamme – Medizin im KZ und Nachwirkungen“ zu ermöglichen.
  • Mit 300.000 Euro unterstützt die Jung-Stiftung Ärzte ohne Grenzen in der Durchführung ihrer klinischen Studie „endTB-Q“ mit dem Ziel, Menschen in Notlagen besser bei einer medikamenten-resistenten Tuberkulose behandeln zu können.

So stellt sich die Jung-Stiftung der Geschichte ihres Stifters und leistet gleichzeitig Menschen Hilfe.

Zusätzlich unterstützt die Jung-Stiftung weitere Aufarbeitung der NS-Zeit mit einem jährlichen Fellows-Stipendium für eine medizinhistorische Arbeit über ein entsprechendes Thema am Institut für Geschichte und Ethik der Medizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

In jeglicher Kommunikation stellt die Jung-Stiftung Ernst Jungs Rolle als Opportunisten des Nationalsozialismus einerseits und als späteren Philanthropen andererseits heute differenziert dar.

Weiterhin hat sie die Namen ihrer Stiftungspreise angepasst, sodass sie sich auf den Namen der Stiftung und nicht mehr auf die Person Ernst Jungs berufen. Die Jung-Stiftung behält den Familiennamen jedoch weiter bei, da ein neutraler Name die Geschichte ausklammern, das aktive Erinnern vermeiden und einen Ursprung des Stiftungsvermögens verschleiern würde.

Zudem hat die Jung-Stiftung an ihrem Stiftungsgebäude eine Tafel installiert, um der 200 bis 250 Menschen zu gedenken, die von 1939 bis 1945 als KZ-Gefangene und Zwangsarbeiter:innen in den Hamburger Mineralöl-Werken Ernst Jung in Stadersand und Wilhelmsburg eingesetzt wurden.

War Ernst Jung ein Nazi?

Ernst Jung bekannte sich bei den Reichstagswahlen 1933 zur DVP – zur Partei des Wirtschafts-und Bildungsbürgertums. Er sympathisierte nicht mit dem Nationalsozialismus, arrangierte sich aber aus wirtschaftlichen Gründen geschickt mit der neuen politischen Situation. So beantragte er zum letztmöglichen Zeitpunkt die NSDAP-Mitgliedschaft, am 1. Mai 1933, am Tag des Aufnahmestopps. Aufgrund einer früheren Logenzugehörigkeit wurde Jungs Mitgliedschaft im Dezember 1934 abgelehnt. Nach dem Krieg bestritt Jung in seinem Entnazifizierungsverfahren seine NSDAP-Mitgliedschaft.

Warum war Ernst Jung als Philanthrop bekannt?

Jungs späteres Leben wurde von der Wohltätigkeit geprägt. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Claere Jung gründete er vier Stiftungen, um ihr Vermögen in den Dienst der Gesellschaft zu stellen: Die Ernst und Claere Jung Stiftungen in Hamburg und Stade (zwei Pflegeeinrichtungen), die Claere Jung Stiftung (eine Hilfsorganisation für Blinde und Sehbehinderte), sowie die Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung, die besondere Fortschritte in der Humanmedizin auszeichnen sollte. Die Letztere setzt sich bis heute für Wissenschaft und Forschung ein und konnte Forscher:innen, die die Humanmedizin bedeutend vorangebracht haben, in dieser Zeit mit mehr als 15 Mio. Euro an Preisgeldern unterstützen.

Warum wird die Rolle von Claere Jung nicht berücksichtigt?

Claere Jung hatte erheblichen Einfluss auf das Entstehen und die Rolle der Jung-Stiftungen. Daher war es ein wesentlicher Bestandteil des ursprünglichen Forschungsauftrags, ihre Rolle intensiver zu beleuchten. Durch die dürftige Quellenlage war dies leider nicht möglich. Dr. Peter Zolling konnte lediglich rekonstruieren, dass sie eine eigenständige und tatkräftige Inspirationsquelle war, aber zu einer Generation von Frauen zählte, die vor allem im Hintergrund agierten.

Warum hat die Jung-Stiftung Dr. Zolling mit der Studie beauftragt?

Dr. Zolling verfügt über profunde Kenntnis der deutschen Geschichte – insbesondere die während der NS-Zeit. Als Historiker und früherer Journalist hat er mit seinen Sachbuch-Bestsellern „Deutsche Geschichte von 1848 bis zur Gegenwart“ und „Das Grundgesetz“ seine analytischen Fähigkeiten unter Beweis gestellt.

Wer ist Dr. Zolling?

Dr. Peter Zolling ist promovierter Historiker, Buchautor sowie früherer Journalist. Nach seinen Studien an der Universität Hamburg und der London School of Economics & Political Science arbeitete er zunächst in Hörfunk und Fernsehen, bevor er als Politischer Redakteur für Zeitgeschichte zum SPIEGEL wechselte. Heute ist er Kommunikations- und Medienberater in Hamburg. 2005 und 2009 veröffentlichte er seine erfolgreichen Sachbücher „Deutsche Geschichte von 1848 bis zur Gegenwart“ und „Das Grundgesetz“.

Wie ist Dr. Peter Zolling bei der Studie vorgegangen? Was sind seine Quellen?

Die Forschungen von Dr. Peter Zolling waren durch das Fehlen eines Archivs der Unternehmen von Ernst Jung sowie persönliche Notizen oder Unterlagen erheblich erschwert. Neben wenigen Dokumenten der Jung-Stiftung hat er daher umfangreiche Aktenbestände erschlossen und ergänzende Sekundarliteratur ausgewertet. Dabei stützt er sich vor allem auf aussagekräftige Dokumentensammlungen im Archiv der KZ-Gedenkstätte Neuengamme, im Staatsarchiv Hamburg, in der Handelskammer Hamburg und im Stadtarchiv Stade. Auf Anfrage hat das Bundesarchiv in Berlin außerdem die NSDAP-Zentral- und Gaukarteikarte für Ernst Jung übermittelt. Weiterhin hat die Jung-Stiftung historische Zeitzeugen zu Oral-History-Interviews motiviert.

Wurden die Ergebnissen überprüft?

Die Ergebnisse wurden durch ein Peer-Review-Gutachten von Dr. Niklas Lenhard-Schramm der Universität Hamburg (Fakultät für Geisteswissenschaften, Arbeitsbereich Deutsche Geschichte) überprüft. Er begrüßt insbesondere die breite Quellenlage, die Dr. Peter Zolling aufgebaut hat, sowie seine differenzierte Einordnung von Ernst Jungs ambivalenter Rolle als Opportunisten des Nationalsozialismus einerseits und als späteren Philanthropen andererseits.

Wie offen zeigt die Jung-Stiftung die Ergebnisse der Studie?

Die Jung-Stiftung hat eine Zusammenfassung der Studie, eigens von Dr. Peter Zolling verfasst, auf ihrer Website veröffentlicht. Sie finden die Kurzfassung hier.

Die vollständige Studie kann hier beantragt und eingesehen werden. Hierzu ist lediglich eine namentliche Registrierung notwendig.

Ändert die Jung-Stiftung die Namen ihrer Preise?

Ja, die Jung-Stiftung hat ihre Stiftungspreise angepasst. Sie heißen nun:

  • Jung-Karriere-Förderpreis
  • Jung-Preis für Medizin
  • Jung-Medaille für Medizin in Gold

Damit berufen sich die Preise in Zukunft direkt auf die Stiftung und nicht mehr auf Ernst Jung persönlich. Die Jung-Stiftung behält den Familiennamen jedoch weiter bei, da ein neutraler Name die Geschichte ausklammern, das aktive Erinnern vermeiden und einen Ursprung des Vermögens verschleiern würde.

Ändert die Jung-Stiftung auch ihren Namen?

Mit einer Umbenennung würde sich die Jung-Stiftung klar von Ernst Jung distanzieren. Das tut sie auch, indem sie den Vornamen „Ernst“ aus den Namen ihrer Preise streichen möchte. Den Familiennamen behält sie jedoch bei, da ein ganz neuer Name die Geschichte Jungs ausklammern, das aktive Erinnern vermeiden und einen Ursprung des Vermögens verschleiern würde. Stattdessen wird die Jung-Stiftung seine ambivalente Rolle als Opportunisten des Nationalsozialismus einerseits und als späteren Philanthropen andererseits differenziert darstellen.

Wird die Jung-Stiftung einen finanziellen Beitrag leisten, um Verantwortung für die Geschichte ihres Stifters zu übernehmen?

Die Jung-Stiftung hat ein umfassendes Maßnahmenpaket umgesetzt, um sich der Geschichte Ernst Jungs zu stellen, nachhaltig Verantwortung zu übernehmen, zur weiteren Aufarbeitung der NS-Zeit beizutragen, aktiv Aufklärungsarbeit zu leisten und Menschen in Notlagen zu helfen.

Mit einer Fördersumme von insgesamt 777.000 Euro unterstützt die Jung-Stiftung die KZ-Gedenkstätte Neuengamme und Ärzte ohne Grenzen:

  • 477.000 Euro werden eingesetzt, um Forschungsprojekte und Zuarbeiten zur geplanten neuen Dauerausstellung der KZ-Gedenkstätte Neuengamme „Die Sanitätsabteilung des KZ Neuengamme – Medizin im KZ und Nachwirkungen“ zu ermöglichen.
  • Mit 300.000 Euro unterstützt die Jung-Stiftung Ärzte ohne Grenzen in der Durchführung ihrer klinischen Studie „endTB-Q“ mit dem Ziel, Menschen in Notlagen besser bei einer medikamenten-resistenten Tuberkulose behandeln zu können.

So stellt sich die Jung-Stiftung der Geschichte ihres Stifters und leistet gleichzeitig Menschen Hilfe.

Zusätzlich unterstützt die Jung-Stiftung weitere Aufarbeitung der NS-Zeit mit einem jährlichen Fellows-Stipendium für eine medizinhistorische Arbeit über ein entsprechendes Thema am Institut für Geschichte und Ethik der Medizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

Führt die Jung-Stiftung neue Themen, Preise oder Projekte ein?

Die Jung-Stiftung schreibt jährlich ein Fellows-Stipendium für eine medizinhistorische Arbeit über ein entsprechendes Thema aus der NS-Zeit am Institut für Geschichte und Ethik der Medizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf aus, um weitere Aufarbeitung der NS-Zeit zu unterstützen.

Mit einer Fördersumme von insgesamt 777.000 Euro unterstützt die Jung-Stiftung die KZ-Gedenkstätte Neuengamme und Ärzte ohne Grenzen:

  • 477.000 Euro werden eingesetzt, um Forschungsprojekte und Zuarbeiten zur geplanten neuen Dauerausstellung der KZ-Gedenkstätte Neuengamme „Die Sanitätsabteilung des KZ Neuengamme – Medizin im KZ und Nachwirkungen“ zu ermöglichen.
  • Mit 300.000 Euro unterstützt die Jung-Stiftung Ärzte ohne Grenzen in der Durchführung ihrer klinischen Studie „endTB-Q“ mit dem Ziel, Menschen in Notlagen besser bei einer medikamenten-resistenten Tuberkulose behandeln zu können.

So stellt sich die Jung-Stiftung der Geschichte ihres Stifters und leistet gleichzeitig Menschen Hilfe.

Was ist die Aufgabe der Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung?

Die Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung engagiert sich national, international und interdisziplinär für den Fortschritt der Humanmedizin. Sie unterstützt Grundlagen- und darauf aufbauende Forschungen von klinischer Relevanz, und leistet so einen Beitrag zu Projekten, die den Ausgangspunkt zur Entwicklung neuer Therapien bilden. Sie schafft Plattformen für die wissenschaftliche Kommunikation über Länder- und Fachgrenzen hinweg und setzt sich für ein Miteinander von Theorie und Praxis ein, von dem Inspiration, Impulse und Innovationen ausgehen. Jedes Jahr vergibt die Jung-Stiftung drei Auszeichnungen an Spitzenforscher:innen. Mit einer Gesamtsumme von 540.000 Euro gehören sie europaweit zu den höchstdotierten Medizinpreisen.

Was ist die Verbindung zwischen Ernst Jung und der Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung?

Jungs späteres Leben wurde von der Wohltätigkeit geprägt. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Claere Jung gründete er vier Stiftungen, darunter die Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung, die besondere Fortschritte in der Humanmedizin auszeichnen sollte. Sie sahen darin eine besonders sinnvolle und wirksame Möglichkeit, dem Gemeinwohl zu dienen, Mitmenschlichkeit zu praktizieren und Leiden zu lindern. Die Jung-Stiftung setzt sich so bis heute als Non-Profit-Organisation im Dienst der Gesellschaft für Wissenschaft und Forschung ein und konnte seitdem über 15 Mio. Euro an Preisgeldern ausloben.

Die Jung-Stiftung identifiziert sich über ihren fördernden Beitrag zur Gesellschaft und erinnerte sich lange an Ernst Jung als erfolgreichen Unternehmer und großzügigen Philanthropen. Die Erkenntnisse der Studie korrigieren dieses Bild jedoch: Von 1939 bis 1945 wurden nach Schätzungen der Studie insgesamt 200 bis 250 Zwangsarbeiter:innen und KZ-Häftlinge in den Jung-Firmen eingesetzt, davon 38 Zwangsarbeiter:innen in der Betriebsanlage in Stadersand. Das ursprüngliche Grundkapital der Jung-Stiftung stammt aus Pacht- und Verkaufserlösen dieser Anlage. Dies belegt eine Verbindung des Stiftungsvermögens zur Zwangsarbeit.

Die Jung-Stiftung hat sich kritisch mit der ambivalenten Rolle ihres Gründers Ernst Jung als Opportunisten des Nationalsozialismus einerseits und als späteren Philanthropen andererseits auseinandergesetzt und stellt seine Rolle heute in jeglicher Kommunikation differenziert dar.

Die Jung-Stiftung hat außerdem ein umfassendes Maßnahmenpaket umgesetzt, um sich der Geschichte Ernst Jungs zu stellen, nachhaltig Verantwortung zu übernehmen, zur weiteren Aufarbeitung der NS-Zeit, aktiv Aufklärungsarbeit zu leisten und Menschen in Notlagen zu helfen.

Mit einer Fördersumme von insgesamt 777.000 Euro unterstützt die Jung-Stiftung die KZ-Gedenkstätte Neuengamme und Ärzte ohne Grenzen:

  • 477.000 Euro werden eingesetzt, um Forschungsprojekte und Zuarbeiten zur geplanten neuen Dauerausstellung der KZ-Gedenkstätte Neuengamme „Die Sanitätsabteilung des KZ Neuengamme – Medizin im KZ und Nachwirkungen“ zu ermöglichen.
  • Mit 300.000 Euro unterstützt die Jung-Stiftung Ärzte ohne Grenzen in der Durchführung ihrer klinischen Studie „endTB-Q“ mit dem Ziel, Menschen in Notlagen besser bei einer medikamenten-resistenten Tuberkulose behandeln zu können.

So stellt sich die Jung-Stiftung der Geschichte ihres Stifters und leistet gleichzeitig Menschen Hilfe.

Zusätzlich unterstützt die Jung-Stiftung weitere Aufarbeitung der NS-Zeit mit einem jährlichen Fellows-Stipendium für eine medizinhistorische Arbeit über ein entsprechendes Thema am Institut für Geschichte und Ethik der Medizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

Weiterhin hat sie die Namen ihrer Stiftungspreise angepasst, sodass sie sich auf den Namen der Stiftung und nicht mehr auf die Person Ernst Jungs berufen. Die Jung-Stiftung behält den Familiennamen jedoch weiter bei, da ein neutraler Name die Geschichte ausklammern, das aktive Erinnern vermeiden und einen Ursprung des Stiftungsvermögens verschleiern würde.

Zudem hat die Jung-Stiftung an ihrem Stiftungsgebäude eine Tafel installiert, um der 200 bis 250 Menschen zu gedenken, die von 1939 bis 1945 als KZ-Gefangene und Zwangsarbeiter:innen in den Hamburger Mineralöl-Werken Ernst Jung in Stadersand und Wilhelmsburg eingesetzt wurden.