Die Innenwelt der Neuronen erforschen Ernst Jung-Medaille für Medizin in Gold 2019 geht an Professor Pietro De Camilli, M.D.

Hamburg, 23. Mai 2019. Die Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung zeichnet Professor Pietro De Camilli, M.D. mit der Ernst Jung-Medaille für Medizin in Gold 2019 aus. Der italienisch-stämmige Neurowissenschaftler von der Yale University erhält die Medaille für sein Lebenswerk zu den molekularen Grundlagen der intrazellulären Membran-Dynamik. Mit der Ehrung verbunden ist ein Stipendium in Höhe von 30.000 Euro, das De Camilli an einen Nachwuchswissenschaftler seiner Wahl vergeben kann.

 

Pietro De Camilli ist John Klingenstein Professor für Neurowissenschaft, Professor für Zellbiologie und Forscher am Howard Hughes Medical Institute an der School of Medicine und dem Kavli Institute for Neuroscience der Yale University in New Haven, USA. Im Laufe seiner Karriere beschäftigte er sich mit den molekularen Mechanismen, die dem intrazellulären Membranentransport zugrunde liegen, die für die Sekretion sowie Aufnahme von extrazellulärem Material verantwortlich sind. Besonders interessierte ihn, wie diese grundlegenden Eigenschaften in Neuronen angepasst wurden, um die speziellen und einzigartigen Eigenschaften des Nervensystems zu unterstützen. Ergebnisse seiner Studien hatten einerseits weitreichende Erkenntnisse für die Zellbiologie zufolge und lieferten zudem wichtige medizinische Einsichten.

 

Er ist in Italien geboren und aufgewachsen und hat Medizin an der Universität Mailand studiert und Postdoc-Studien mit Paul Greengard in Yale durchgeführt. Bereits früh in seiner Laufbahn war er an der molekularen Charakterisierung von synaptischen Vesikeln beteiligt, den spezialisierten Vesikeln, die Neurotransmitter bei neuronalen Synapsen lagern und sekretieren. Während dieser Zeit entdeckte er, dass ein Neurotransmitter-metabolisierendes Enyzm, Glutamat-Decarboxylase, sowohl bei schweren neurologischen Erkrankungen als auch bei Diabetes Mellitus als Autoantigen fungiert. Anschließend widmete De Camilli sich der Erforschung von Mechanismen, durch die Membranen von synaptischen Vesikeln nach jedem Sekretionszyklus wiederverwendet werden. Er erklärte entscheidende Schritte eines solchen Recyclings, darunter metabolische Veränderungen der Lipidkomponenten dieser Membranen. Durch diese Erkenntnisse interessiert er sich in der letzten Zeit für die Kontrolle der Membran-Lipid-Homöostase sowie für Mechanismen des Lipidtransports zwischen Membranen.

 

„Ich glaube fest daran, dass durch Neugierde getriebene Grundlagenforschung der Schlüssel zu medizinischen Fortschritten darstellt und als wichtige Ergänzung zu Krankheiten-orientierten Studien fungiert. Es ist absolut elementar, dass geldgebende Institutionen, die die Heilung von Krankheiten fokussieren, auch die Grundlagenforschung fördern“, erklärt Pietro De Camilli. Dies ist auch der Zweck der Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung. Mit ihren drei jährlich vergebenen Preisen ehrt sie Projekte der Grundlagen- und weiterführenden Forschung von besonderer klinischer Relevanz und fördert so die Entwicklung neuer Therapiemöglichkeiten. Vice versa ist De Camilli der Ansicht, dass die Untersuchung von Erkrankungen dabei hilft, das grundlegende Verständnis der Biologie voranzutreiben. „Ich erkenne eine starke, gegenseitige Feedback-Beziehung zwischen Grundlagenforschung und angewandter medizinischer Forschung.“

 

De Camilli ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Es war die Liebe zur Natur und der Wunsch, sie zu begreifen, die den 71-jährigen Wissenschaftler ursprünglich dazu motivierte Biologie und Medizin zu studieren. Und auch heute noch genießt er seine Freizeit beim Gärtnern, an der Küste seines Wohnorts in Connecticut sowie im Sommer beim Wandern in den Alpen seiner italienischen Heimat.